Wenn die Kirschenzeit beginnt, landen nicht wenige Männer im besten Alter mit TATÜTATA in den Notaufnahmen der Krankenhäuser und kommen erst Wochen später zurück nach Hause, wo sie noch lange Zeit schlimme Schmerzen aushalten müssen. Einige von ihnen kommen sogar im Rollstuhl zurück und bleiben dort für alle Zeiten, was das Leben von Grund auf verändert; sollten sie kein Single-Dasein führen, nicht nur das ihre.
Auf dem Weg in den Waschkeller traf ich heute einen Nachbarn. Er trug ein Piratentuch um den schon kahlen Kopf (gegen Sonnenbrand) und einen Eimer in der Hand, „für die Kirschen! Ich radle auf’s Land!“, wie er fröhlich sagte. „Sie wollen doch nicht wirklich auf Bäume klettern?“ fragte ich ihn, und er sagte „Doch! Ich bin noch genauso flink wie mit 12! Mein zweiter Vorname war schon damals Eichhörnchen!“
Er winkte, sprang auf sein Rennrad und ließ mir keine Zeit für Ermahnungen. Aus diesem Grund habe ich beschlossen, diesen Aufruf zu schreiben:
MÄNNER! Seid nicht verrückt und macht eure Partnerinnen nicht zu Sklavinnen für den Rest ihres Lebens!! KLETTERT NICHT AUF KIRSCHBÄUME!! ÜBERLASST DIES EUREN JUGENDLICHEN KINDERN! Oder den Nachbarskindern, wenn Ihr keine eigenen haben solltet!
Fällt ein 12-jähriger vom Baum, passiert ihm möglicherweise nicht sehr viel, die Knochen sind noch elastisch, der Körperbau leicht. Mit 50 erholt sich ein vom selben Baum abgestürzter Mensch nicht so leicht, oft gar nicht mehr. Die Knochen sind steifer und bruchanfälliger (auch trotz der gelegentlichen sportlichen Aktivitäten, doch, doch!), das Gewicht ist um einiges höher als früher, die Genesung langwierig und mit bleibenden Schäden verbunden.
Mein Mann ist heute ebenfalls auf’s Land gefahren, seinen Vater besuchen um ihn zu bekochen, um den Rasen zu mähen, Erdbeeren zu pflücken, die Blumenrabatte zu bewundern... Aber hoffentlich nicht, um mit den Kirschen auf dem hohen Baum zu liebäugeln!!
Denn auch er fiel vor zwei Jahren beim Pflücken dieser köstlichen Früchte herunter und nur dem guten Geist der alten Kirsche sei es zu verdanken, dass der Mann nach wochenlangem Krankenhausaufenthalt (immerhin in idyllischer ländlicher Umgebung) diesen Ort auf eigenen Füßen verlassen durfte.
Die Schmerzen der mehreren gebrochenen Rippen und der zwei gequetschten Wirbel ließen ihn Monate lang weder sitzen noch schlafen... Er wird den Sturz niemals vergessen, dafür sorgt jeder Wetterumschwung: die einigermaßen verheilten Brüche bringen sich unfreundlicher- und mahnenderweise in Erinnerung.
Gäbe es eine Versicherung gegen auf Bäume kletternde Ehemänner, ich würde sie abschließen! Denn Männer lassen sich nicht gerne pflegen, haben als Kranke extrem schlechte Laune, wollen alles alleine machen, auch wenn sie dazu in manchen Fällen nicht mehr fähig sind. Das macht das Leben der sie betreuenden Frauen nicht gerade glücklich und zufrieden.
Als mein Mann am späten Abend von seinem Besuch auf dem Lande zurückkehrte, berichtete er von der großen Freude, die er seinem Vater bereitete, weil er ein Körbchen selbstgekaufter Kirschen aus der Stadt mitbrachte.
Denn die Bäume im elterlichen Garten tragen zum ersten mal keine Früchte... Uff.
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