Was ProSieben heute als Umsetzung des Thrillers "Zoo" von James Patterson anbietet, hat kaum etwas mit der Roman-Vorlage gemein. Es wurde erkennbar an jeder Actionszene gespart. Eine ärgerliche Zeitverschwendung.
"Zoo" von James Patterson und Michael Ledwidge ist in den USA längst ein Bestseller. Der Roman von der Rache der Natur hat seine Stärken und Schwächen (siehe Lesering-Buchtipp), aber für spektakuläre Actionszenen, Naturaufnahmen und Trickeffekte bietet die Romanvorlage mehr als genug Raum.
Tatsächlich ist es schon überraschend, was sich uns in der ersten Episode von "Zoo" zeigt. Insbesondere hat Produktionsfirma CBS Television spürbar an der Kostenschraube gedreht - und zwar nach unten.
Billig-Produktion: Krokodile sind grad aus
So beginnt der Patterson-Roman mit dem Ausbruch zweier Löwen aus dem Zoo von New York und der Schilderung, wie sie sich anschicken, marodierend durch die Stadt zu ziehen. Statt wie im Roman gleich zwei Zoowärter und einen unbeteiligten Golfspieler zu zerfleischen, blicken die Löwen auf der Mattscheibe ihre Opfer nur ein letztes Mal anklagend mit bernsteinfarbenen Augen an, bis die Blende ins Schwarze übergeht.
Bald aber dürfen sich wenigstens die weiblichen Zuschauer an Schönling Jackson Oz (James "Jimmy" Joseph Wolk) ergötzen. Der macht sich an der Seite des bulligen Schwarzen Abraham Kenyatta (Nonso Anozie) auf die Suche nach seinem in der Savanne von Botswana verschwundenen Vater.
Zwischendrin mimt Jackson Oz den Gutmenschen und vertreibt ein seltenes Nashorn per Ghettoblaster, um einem Jäger den Schuss zu versauen und Dialoge von eindrucksvoller Blödheit einbauen zu können , die wenigstens zu Tonalität des Buches passen.
Kostprobe:
Der wutschnaubende Großwildjäger: "Ich habe 200.000 Dollar für die Lizenz gezahlt!"
Jackson Oz: "Ich habe neun Dollar für diese Mütze bezahlt!"
Actionszenen konsequent geschnitten
Bereits im Intro in Botswana leisten sich die Serien-Macher eine ganze Reihe von budget-schonenden Verkürzungen. Statt des dramatischen Löwenangriffs, bei dem Abe im Roman von der Meute spektakulär erlegt wird, klettert der große schwarze Mann dazu in einen liegen gebliebenen Safari-Bus. Dort trifft er vor dem Auge des Zuschauers verborgen auf sein Schicksal.
Im Originaltext des Romans geht das so:"Eine Tatze erwischte Abraham im Gesicht, und es gab ein knackendes Geräusch als er über die Tür der Fahrerseite herausrollte."
In dieser Szene taucht im Roman auf spektakuläre Weise Chloe Tousignant auf: Jackson Oz rettet die Schöne nämlich aus einem Fluss, wo sie von einem Nilkrokodil bedroht wird. Zunächst erschießt Jackson Oz im Roman das größte Nilkrokodil, das die Schöne unmittelbar zu fressen droht.
O-Ton im Roman: "Ich hatte den Hurensohn getroffen, zweimal. Ich konnte nicht sehen wo, aber ich hatte Kugeln gehört, die auf Fleisch trafen."
Dann findet Oz einen Kadaver, den er zur Ablenkung der anderen, schnell herbei geeilten Krokodile in den Fluss hebelt. Das Problem: Der Kadaver ist bereits übersät von riesigen Kriegerameisen. Mit letzter Kraft gelingt es Jackson Oz, den Kadaver in den Fluss zu werfen, die Ameisen an sich selbst in eben dem zu ertränken und schließlich die schöne Chloe in letzter Sekunde zu retten.
Und was geschieht in der Serie? Chloe taucht einfach verängstigt im Busch auf. Mehr nicht.
Nora Arnezeder spielt verzweifelt gegen die Low-Budget-Produktion an
Wenigstens steckt in der Serie insgesamt wesentlich mehr in der Rolle der Chloe als im Roman. Die französische Schauspielerin Nora Arnezeder spielt die völlig verängstigte Forscherin schwitzend, stotternd und völlig aufgelöst absolut überzeugend.
Der Angriff der Löwen wird zwar technisch zum Beispiel unter Auslassung eines spektakulären Unfalls mit dem Landrover auf preiswertem Niveau inszeniert, aber der Regisseur und Kameramann vermögen auch ohne Budget Erstaunliches zu vollbringen. Wilde Kamerafahrten durchs Steppengras erwecken tatsächlich den Eindruck einer absolut atemberaubenden Verfolgung auf Fersenabstand. Das war´s dann aber auch schon - den Rest verbringt der Zuschauer weitgehend gähnend.
Fazit: Man kann Patterson-Fans, die Spass an "Zoo" hatten, nur von der Serie abraten. Hier wurde eine von der Anlage bereits fast ausschließlich aus Action-Szenen bestehende Geschichte brutal zusammen gespart. Alle Sequenzen, die Geld kosten könnten, wurden konsequent nicht inszeniert. So bleibt es bei aneinander gereihten Szenen, wo schönen Menschen Böses schwant, wenn nicht irgendwo ein treu glotzender Löwe auftaucht. Die glotzen übrigens tatsächlich nur - es gibt keine einzige Szene, in den die Großkatzen etwas wirklich Schockierendes oder Blutiges tun.
Man kann selbst über den Roman von James Patterson durchaus geteilter Meinung sein. Völlig unverständlich ist jedoch, warum CBS Television ein solches Thema überhaupt aufnimmt, wenn selbst für kleine Spezialeffekte kein Geld da ist.
Unser Tipp: Verschwenden Sie heute nicht Ihre Zeit vor dem Fernseher , sondern nutzen Sie es für ein gutes Buch.
Sendeinformationen:
Mittwoch, den 13. Januar 2016, 20:15 Uhr
James Patterson: TV-Serie zu "Zoo" startet im Januar
James Patterson verdient 89 Mio. $ in 12 Monaten

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