Am Sonntag, 6. April 2025, berichtet „ttt – titel thesen temperamente“ um 23:05 Uhr im Ersten (ARD) unter vielen anderen interessanten Themen aus der Kulturwelt über Rachel Kushners neuen Roman „See der Schöpfung“.
Die vielfach ausgezeichnete amerikanische Autorin, bekannt für Werke wie Flammenwerfer und Ich bin ein Schicksal, hat mit See der Schöpfung einen überraschend politischen Spionageroman vorgelegt: philosophisch grundiert, erzählerisch rasant und mit einer Ex-CIA-Agentin im Zentrum, die sich zwischen Auftrag, Identität und zivilisatorischer Zumutung verliert.
„ttt“ hat Kushner in Los Angeles getroffen und mit ihr über ihre Lust am Genre, den Ernst des Spiels und die Frage gesprochen, warum sie ihre Figuren lieber „gegen die Zeit“ leben lässt.
Einschalten lohnt sich – für alle, die Literatur nicht nur lesen, sondern erleben wollen.
Rachel Kushner undercover: Spionin im Dienst der Zivilisationskritik
Rachel Kushner gehört zu den prägnantesten Stimmen der amerikanischen Gegenwartsliteratur – präzise, klarsichtig, stilistisch souverän. Mit ihrem neuen Roman See der Schöpfung, der am 15. April 2025 im Rowohlt Verlag erscheint, liefert sie nicht nur spannungsgeladene Prosa, sondern auch eine kluge Zumutung. Das Buch war 2024 für den Booker Prize und den National Book Award nominiert – nicht ohne Grund.
Eine Agentin zwischen Auftrag und Abgrund
Im Zentrum steht Sadie Smith, 34, attraktiv, skrupellos, Ex-Agentin der CIA. Ein klassisches Femme-fatale-Setup, könnte man meinen – doch Kushner unterwandert die Erwartungen. Sadie wird beauftragt, eine Kommune anarchistischer Umweltaktivisten in der südfranzösischen Provinz zu infiltrieren. Was als klarer Auftrag beginnt, verläuft sich rasch im Dunst der Ambivalenz: Zwischen dem archaischen Charme einer Höhle, dem charismatischen Bruno Lacombe und der eigenen brüchigen Identität beginnt Sadie zu taumeln. Kontrolle, so stellt sich heraus, ist eine Illusion – nicht nur für Agentinnen.
Spionage trifft auf Philosophie
Kushner gelingt das Kunststück, einen temporeichen Plot mit philosophischem Tiefgang zu verweben. Hinter den Beobachtungen über Sabotage und Surveillance verbergen sich drängende Fragen: Was schuldet der Mensch der Natur? Was ist Kunst wert in einer Welt am Kipppunkt? Wer entscheidet über Verteilung und Teilhabe? Die Booker-Jury nennt den Roman einen „tiefgründigen, unwiderstehlichen Pageturner“ – eine seltene Kombination, die tatsächlich hält, was sie verspricht.
Übersetzt mit Präzision – bald im Buchhandel
Die deutsche Fassung stammt von Bettina Abarbanell, die bereits Kushners frühere Werke kongenial übertragen hat. Ab dem 15. April 2025 liegt See der Schöpfung nun auch in deutscher Sprache vor – ein Roman, der sich sowohl für politisch hellwache als auch für ästhetisch anspruchsvolle Leser als gewinnbringend erweisen dürfte.
Über die Autorin:
Rachel Kushner, geboren 1968 in Oregon, zählt zu den profiliertesten Stimmen der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur. Mit Telex from Cuba, Flammenwerfer und Mars Room wurde sie international bekannt; ihr Stil: präzise, politisch wach, zugleich literarisch eigenwillig. Mars Room stand auf der Shortlist für den Booker Prize und brachte ihr auch im deutschsprachigen Raum große Aufmerksamkeit.
Kushners Figuren bewegen sich meist an den Rändern gesellschaftlicher Ordnung – zwischen Ideologie, Widerstand und Überleben. Ihre Romane sind ebenso politisch grundiert wie ästhetisch durchdacht, oft getragen von subversivem Humor und existenzieller Klarheit. Neben ihrer Prosa schreibt sie Essays, unter anderem für The New Yorker und The Paris Review.
Sie lebt in Los Angeles – einem Ort, der auch in ihrem neuen Roman See der Schöpfung anklingt, bevor die Handlung ins südliche Frankreich führt. Wieder verhandelt sie Grundfragen unserer Gegenwart – mit stilistischer Präzision und erzählerischer Souveränität.
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