Wenn Isabel Allende schreibt, dann erzählt sie nicht nur Geschichten – sie gibt den Namenlosen eine Stimme. Ihr neuer Roman Der Wind kennt meinen Namen ist 2024 auf den Bestsellerlisten durchgestartet und erzählt von Kindern und Frauen auf der Flucht. Die Arte-Dokumentation Isabel Allende: Den Namenlosen eine Geschichte geben beleuchtet das Leben und das Schaffen der chilenisch-US-amerikanischen Autorin, deren Biografie selbst von Exil, Widerstand und der Kraft des Erzählens geprägt ist. Die Sendung wird am kommenden Mittwoch um 22.15 Uhr ausgestrahlt und ist bereits am Vortag in der Mediathek verfügbar.
Erzählen gegen das Vergessen
Für Allende ist Literatur mehr als Unterhaltung. Sie sieht in ihr eine Möglichkeit, Geschichte lebendig zu halten und Lehren für die Zukunft zu ziehen. Ihr neues Buch, das den Weg eines kleinen Mädchens nachzeichnet, das an der US-mexikanischen Grenze von seiner Mutter getrennt wird, basiert auf wahren Begebenheiten. Diese wurden unter anderem von der Isabel Allende Stiftung dokumentiert, die sich weltweit für Frauenrechte einsetzt.
Die Inspiration für das Werk liegt in Allendes humanitärer Arbeit. Die Autorin engagiert sich intensiv für mexikanische Flüchtlinge und kennt die Geschichten von Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen ihre Heimat verlassen mussten. Als jemand, die sich selbst als "displaced person" bezeichnet, da sie einst aus ihrer Heimat fliehen musste, sieht sie in der aktuellen US-Flüchtlingspolitik eine Fortsetzung von Missständen, die sie schon lange anprangert. In der Dokumentation werden bedrückende Szenen von Grenzzäunen und getrennten Familien gezeigt – ein Bild, das nicht nur Allendes Werk, sondern auch ihre politische Haltung prägt.
Wahre Begebenheiten als Grundlage
Die Figuren in Der Wind kennt meinen Namen beruhen auf realen Vorbildern. Die US-Rechtsanwältin Gabriela Corrales, die sich unermüdlich für Geflüchtete einsetzt, lieferte wichtige Recherchegrundlagen. Ebenso hatte Allendes Schwiegertochter, die Fotografin Lori Barra, Einfluss auf das Werk. Beide Frauen stehen stellvertretend für Allendes lebenslanges Engagement für Menschenrechte und insbesondere für Frauen in Not.
Feministin mit Humor
Die Dokumentation zeichnet nicht nur Allendes politische Haltung nach, sondern widmet sich auch ihrer feministischen Arbeit. Bereits 1967 gründete sie die feministische Zeitschrift Paula, in der sie mit Karikaturen und Satire gesellschaftliche Missstände anprangerte. Ihre literarischen Werke sind durchzogen von starken Frauenfiguren, die mit Mut, Magie und Empathie gegen Ungerechtigkeiten kämpfen.
Ein wichtiger Einfluss auf ihre Karriere waren Frauen wie ihre Literaturagentin Carmen Balcells, die sie in der von Männern dominierten Literaturwelt etablierte, oder die Literaturwissenschaftlerin Michi Strausfeld, die sich für lateinamerikanische Literatur in Europa einsetzte. Die Dokumentation erzählt von diesen prägenden Begegnungen, die Isabel Allende zu einer der erfolgreichsten Autorinnen der Welt machten.
Ein Leben zwischen Literatur und Liebe zu Hunden
Mit rund 75 Millionen verkauften Büchern ist Allende eine der meistgelesenen lateinamerikanischen Schriftstellerinnen. Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr mit Das Geisterhaus (1982), das auch erfolgreich verfilmt wurde. Heute lebt sie in Sausalito, Kalifornien, mit ihrer Hündin Perla – die nicht nur ihre treue Begleiterin ist, sondern auch zur Hauptfigur ihres ersten Kinderbuchs wurde.
In der Doku wird Perla liebevoll beschrieben: "Wie jede Feministin besitzt sie zwei Superkräfte: Sie kann jeden dazu bringen, sie zu lieben. Und sie kann brüllen wie ein Löwe. Sie lässt sich nicht missbrauchen." Dass der aktuelle US-Präsident keinen Hund besitzt, ist für Allende eine kleine, aber bezeichnende Schwäche.
Literatur als politisches Instrument
Die Arte-Dokumentation zeigt Isabel Allende als Autorin, Feministin und Aktivistin, die nie aufgehört hat, für Gerechtigkeit zu kämpfen. Ihre Erzählkunst verbindet magischen Realismus mit gesellschaftskritischen Themen und verleiht jenen eine Stimme, die sonst nicht gehört werden. Wer mehr über die Hintergründe ihres neuen Romans und ihre bewegte Biografie erfahren will, sollte diese Dokumentation nicht verpassen.
Ausstrahlung: Mittwoch, 22.15 Uhr auf Arte, bereits am Vortag in der Mediathek verfügbar.
Regie: Christoph Goldmann
Land: Deutschland
Jahr: 2024
Herkunft: ZDF