Der Fernsehjournalist und Buchautor Klaus Scherer beschriebt in seinem aktuellen Buch "Kugel ins Hirn", wie Hass und Hetzte in den Sozialen Netzwerken um sich greifen, und wie Staatsanwälte, Polizisten und wie "Staatsanwältinnen, Richter, Polizistinnen und verdeckte Ermittler rechten Hetzern auf die Spur kommen" In der kommenden Ausgabe von "ttt - titel, thesen, temperamente" spricht er über die seinen Ausflug in die Schattenwelt rechter Netzwerke.
Wut und Frust auf den Straßen, das vehemente Abwehren von Argumenten, mehr oder weniger offen ausgesprochene Todesurteile: Spätestens mit der Corona-Pandemie und den mit ihr einhergehenden Protesten wurde deutlich, wie Demokratie-Gegner die berechtigte Angst vieler Bürgerinnen und Bürger auf ungute Weise anheizen und instrumentalisieren. Dass das Gefühl von Angst, Wut, Macht- und Hoffnungslosigkeit angesichts zunehmender Krisen noch stärker zunimmt, muss daher beunruhigen. Wie es in den Tiefen jener Akteure ausschaut, die enttäuschte Bürgerinnen und Bürger zu rekrutieren versuchen, zeigt der ehemalige ARD-USA-Korrespondent Klaus Scherer in seinem Buch "Kugel ins Hirn: Lügen, Hass und Hetzt im Netz bedrohen die Gesellschaft. Unterwegs mit Strafverfolgern". In der kommenden Ausgabe von "ttt" spricht der Fernsehjournalist über seine Arbeit.
(Ausstrahlung: Im MDR am Sonntag, 2. Oktober, um 23:05 Uhr / am selben Tag ab 20:00 Uhr in der ARD-Mediathek)
Zum Buch "Kugel ins Hirn"
Mit den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen zeigte sich eine Klientel, die natürlich nicht neu, plötzlich aber deutlich sichtbar war. Die Unzufriedenheit, die angestaute Wut, die Verachtung gegenüber "denen da oben" - das alles schwelte in vielen dieser Bürgerinnen und Bürger bereits seit Jahrzehnten. Es hatte nur einen Zünder gebraucht, das berühmte Zünglein an der Waage, und schon brach sich diese Unzufriedenheit in Form von Protesten Bahn, die zunehmend radikaler zu werden schienen. Wir wissen, zu welch Extremismen die sich hochschaukelnde Corona-Wut geführt hat: Todesurteile wurden ausgesprochen, Politiker als "Abschaum" bezeichnet und zum Abschuss freigegeben. Der traurige Höhepunkt führt uns zu einer Tankstelle im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein, wo Mario N. auf den er 20 Jahre alten Alexander schießt, da dieser ihn zuvor auf die Maskenpflicht hinwies.
Eine kochende Wut, die Gefahr läuft, in die Schattenwelten jener abzudriften, deren Idole Donald Trump und Wladimir Putin sind. Eine Welt, die Klaus Scherer in seinem Buch "Kugel ins Hirn" beschriebt. Scherer begleitete Fahnder, Verfassungsschützer und Ankläger während ihrer Einsätze. Ein so genauer Blick in die Praxis der Verfolgung von Hass-Kriminalität im Netz ist erst seit knapp einem Jahr möglich. Erst 2021 trat das Gesetz gegen Hass-Kriminalität im Internet in Kraft. Seitdem verfügen Justiz und Strafverfolger über Werkzeuge, um Hassredner zur Rechenschaft zu ziehen.
Scherer "trifft Täter, die Parlamentarier als "Abschaum" verhöhnen und "ins KZ stecken" wollen, und sieht bei ihren Hausdurchsuchungen zu. Er spricht mit netten Nachbarn, die zugleich Hasstiraden posten, und mit ihren Opfern. Und mit Politikern, denen er vorhält, ihr eigenes Gesetz zu unterlaufen. So führt diese fesselnde True-Crime-Reportage sowohl in den Abgrund rechter Mobilmachung als auch darüber hinaus.
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