C. J. Daugherty: Night School - Du darfst keinem trauen Die internierte Heldin

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Diesmal ohne Vampire: Night School bietet Abenteuer für 14- 16jährige. Bild: Oetinger

Night School ist aus den Bestsellerlisten nicht mehr wegzudenken. Lesering hat getestet, für wen sich der Einstieg in die Teen-Romanserie lohnt.

Allie ist ein typischer Tunichtgut in besten Pubertätsjahren: Sie hängt mit den falschen Kumpels ab, trinkt zu viel, hinkt schulisch hinterher. Als Allie von der Polizei beim Grafitti-Sprühen erwischt wird, ist die Frustrationstoleranz der überforderten Eltern schließlich erschöpft.

Vom Londoner Villenvorort geht es für Allie ins Exil. Fortan soll sie im abgeschiedenen Internat Cimmeria ihr Dasein fristen. Das offensichtliche Grauen dieser Zukunftsaussichten materialisiert sich für Allie in Form von Handy-, Computer- und Internet-Verboten, strengen Tagesabläufen und fast ständiger Überwachung.

Allie hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass gerade die strengen Regeln zu einer besonderen Kumpanei unter den Schülern führt. Da wäre die leicht verrückte Jo, mit der sich Allie schnell anfreundet, oder Rachel, die einfach alles zu wissen scheint, was in Cimmeria so hinter den Kulissen abläuft. Und dann ist da Allies neuer Mitschüler Sylvian, der sich charmant um ihre Aufmerksamkeit bemüht.

Ärgerlich, dass der geheimnisvolle Carter West nichts unversucht lässt, um die sich entwickelnden zarten Bande zwischen dem jungen Kavalier und Allie zu stören.

Auch wenn sie zunächst wenig auf Carters schickschalsschwangere Andeutungen gibt, wird trotzdem schnell klar, dass Cimmeria mehr als ein einfaches Internat ist - viel mehr. Neben dem regulären Schulbetrieb existiert nämlich eine Night School, wie Allie schließlich herausfindet: Bestimmte auserwählte Schüler besuchen einen nächtlichen Geheimunterricht, der so vertraulich ist, dass nicht einmal die Teilnehmer bekannt sind - doch weshalb?

Noch schockierender ist für Allie die Erkenntnis, dass sie von ihren Eltern ganz offensichtlich angelogen wurde: Cimmeria wurde nicht etwa von der Londoner Polizei als geeignetes Internat für schwer erziehbare Jugendliche empfohlen, sondern Allies Eltern stehen mit der Schule in viel engerer Beziehung, als sie es geahnt hat.

Als während des Sommerballs Teile der Schule in Flammen aufgehen und eine ihrer Freundinnen auf mysteriöse Weise ums Leben kommt, beginnt ein tödliches Rennen. Allie muss mit wenigen Getreuen herausfinden, was auf Cimmeria wirklich gespielt wird. Schließlich wird ihr klar, dass sie nicht wegen Sachbeschädigung, Ungehorsams oder schlechter schulischer Leistungen hier gelandet war. Tatsächlich war ihre Ankunft im Internat bereits seit langer Zeit erwartet worden...

Fazit: Gut drei Jahre sind ins Land gegangen, bevor sich Night School vor allem bei Schülern per Mundpropaganda verbreitet und sich schließlich auch in den deutschen Bestseller-Listen festgesetzt hat. Das Konzept von C. J. Daugherty geht auf: Gekonnt schildert die britische Autorin Intrigen und Romanzen vor dem Hintergrund des Internatslebens. Dazu mischt sie eine gute Portion Mysterien mit Thriller- und Krimi-Elementen bei, spielt mit Spannungselementen und streut meist zum Kapitelende einen Cliffhanger ein, der den Leser weiter treibt.

Phasenweise schrammt C.J. Daughtery zwar knapp an der Glaubwürdigkeitsgrenze, was die Kriminalgeschichte im Hintergrund betrifft. Dafür sind die Intrigen, Rivalitäten und Romanzen zwischen den Schülern treffend und insbesondere die Momente beginnender Vertrautheit zwischen Allie und Sylvian, aber auch die Beziehung zum geheimnisvollen Carter mit großer Behutsamkeit erzählt. Trotz der Mystery- und Crime-Elemente ist Night School also eher ein Mädchen-Thema. Für Jungs dürfte die Nachtschule schlicht zu romantisch sein. Wer aber Die Tribute von Panem oder auch Bis(s) zum Ende der Nacht mochte, wird auch Night School lieben.

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